Volksbegehren für Zukunft & Bienen in Bayern 31.1.-13.2.19

In Bayern wurde von etlichen Leuten ein Volksbegehren auf den Weg gebracht, das nun in der Zeit von 31. Jan bis 13.02.19 von 1 Mio BürgerInnen in Bayern in den Rathäusern unterschrieben werden muss:

Jürgen schreibt: Nach dem Konzept der Planetaren Grenzen gibt es Grenzen, die bereits viel, viel weiter überschritten sind, als die bekannteste – der Klimawandel. Die Spitzenplätze teilen sich gestörte Nährstoffkreisläufe und in Siegerposition der Verlust der Biodiversität aka Artensterben biblischen Ausmaßes. 



Königsplatz

Hier eine schöne Kurzzusammenfassung zu den Planetaren Grenzen mit einem schönen Bildchen:  https://de.wikipedia.org/wiki/Planetare_Grenzen   Rund um den Planeten verzeichnen wir ein massives Einbrechen in Beständen unterschiedlichster Populationen.

Sehr bekannt wurde im vergangenen Jahr die Studie aus Krefeld. Die Zahl der Fluginsekten ist danach in Teilen Deutschlands erheblich zurückgegangen.

In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse um mehr als 75 Prozent ab. Wir erleben derzeit wohl das sechste große Massenaussterben, das größte seit dem Aussterben der Dinosaurier. Sag nicht ich, sagt der Deutschland-WWF-Chef. Und es vollzieht sich mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit. 

Und Schuld sind nicht Kometen oder Vulkanausbrüche – sondern wir. Deshalb wird auch vermehrt vom Anthropozän gesprochen, also einem Erdzeitalter, in dem sich der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde aufgeschwungen hat.

Jetzt kommt’s noch dicker: Das Ganze ist bei uns noch nicht maßgeblich vom Klimawandel getrieben. Sag nicht ich, sagt Josef Settele, Leitautor beim IPBES. Das ist sowas, wie es der IPCC für den Klimawandel ist, gerne übersetzt mit Weltbiodiversitätsrat. Hier zwei erhellende Interviews auf dem resonator-podcast der Helmholtz-Gemeinschaft:   https://fyyd.de/episode/98887 und  https://fyyd.de/episode/98834   Anders ausgedrückt: Der Klimawandel kommt als große Keule noch hinterher und tut dies bereits in anderen Teilen der Welt. Was aber führt dann bei uns zum Artensterben. Das ist ein ganzer Strauß an Ursachen, alle zurückzuführen auf menschliche Einflüsse und ein Großteil auf die Art, wie wir unsere Nahrungsmittel erzeugen und welche das sind.

Einsatz von Pestiziden führt dazu, dass schon mal alles dahingerafft wird, was der Mensch nicht zu brauchen meint. Und das passiert sehr effektiv, weil Gift giftig ist und meist mehr, als wir uns derzeit eingestehen. Die Überversorgung von Nährstoffen führt dazu, dass es manche Pflanzen, die auf magere Böden angewiesen sind, nicht mehr gibt und mit ihnen die darauf spezialisierten Insekten. Ackerflächen werden bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt. Da ist teilweise Monokultur soweit das Auge reicht.

Ohne ein Nährstoffangebot für Insekten oder nur eines in einem engen Zeitfenster. Weniger Insekten – weniger Vögel. Es kommen noch weitere Faktoren hinzu wie Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung etc. Einige Faktoren sind selbst planetare Grenzen und die bedingen und verstärken sich zu allem Überfluss auch noch gegenseitig. Auch hier gibt es, wie beim Klimawandel, Kippunkte, ab deren Erreichen wir das Geschehen nicht mehr beeinflussen können.   Hier ein Vortrag zum Thema:  https://www.youtube.com/watch?v=kOxBaG0GP8g

Was ist nun zu tun? Eine sehr große Chance etwas zum Guten zu wenden, bietet aktuell ein Volkbegehren in Bayern. Manche sprechen gar von einer Jahrhundertchance. Denn wenn das gelingt, ist wirklich viel gewonnen. Was das Volksbegehren ist, erfahrt Ihr hier oder hier. Vereinfacht gesagt: Hier dürft Ihr als Bürger mitentscheiden, was Gesetz werden soll. Steht so in der Bayerischen Verfassung. Da darf der eigentliche Souverän noch Souverän sein. Das ist also nicht nur irgendeine Online-Petition, wo man sein Hakerl macht. Nein, hier bist Du der Gesetzgeber. Die Forderungen des Volksbegehrens lauten:

mohnblumen-besuch zum Waffenstillstand

1. Biotopverbund schaffen 

Das Problem: Die einzelnen, lokalen Lebensräume (Biotope) sind nicht mehr verbunden. Menschliche Siedlungen, Straßen und leergeräumte Ackerlandschaften schlagen tödliche Schneisen, die für die meisten Arten unüberbrückbar sind. Inzucht ist die Folge, die Tiere werden anfällig für Krankheiten und sterben. Deshalb fordern wir: Schafft zusammenhängende Lebensräume, sog. Biotopverbünde.  

2. Nachhaltige Ausbildung Zu Unrecht wird derzeit die Schuld einseitig auf die Bauern geschoben. Die ganze Agrar-Förderungspolitik und auch die Ausbildung junger Landwirte ist seit Jahrzehnten falsch ausgerichtet. Statt das überlieferte bäuerliche Wissen über Zusammenhänge gelehrt zu bekommen, ist die Ausbildung auf Ertrag, Effizienz und „Smart Farming“ ausgerichtet. Die jungen Bauern lernen zwar alles über die chemische und mechanisierte Landwirtschaft, aber sie lernen wenig über die Folgen und Zusammenhänge und auch die Risiken für Mensch und Natur. Das muss geändert werden, sonst hat die Artenvielfalt keine Chance. Das fordert auch die Bundesregierung (BNE).  

3. Mehr Transparenz Wir wollen, dass die Bürger*innen Bayerns darüber informiert werden ob die Forderungen auch umgesetzt werden. Dafür ist der Landtag zuständig, nicht die Medien, die in der Regel Transparenz herstellen. Deshalb: Wir fordern, dass der Landtag jährliche Statusberichte über den Zustand der Arten und der Naturschönheit behandelt und veröffentlicht. So erfahren wir jedes Jahr, wie es um das ökologische Gleichgewicht bestellt ist. Nur so wird das neue Gesetz auch umgesetzt und angewendet.

4. Mehr Öko, mehr Bio Der Irrweg der export-orientierten Landwirtschaft führt zu einem dramatischen Artenrückgang; gleichzeitig müssen viele landwirtschaftliche Kleinbetriebe schließen. Die Folgen sind Agrarwüsten, gifthaltige Monokulturen und ein Verlust der Naturschönheit in unserer bayrischen Heimat. Der Artenschutz und die Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft sind eng miteinander gekoppelt. Beide Seiten – Natur und Bauern – müssen gewinnen. Allem voran müssen Landwirte fair bezahlt werden, damit sie sich überhaupt noch um die Natur kümmern können. Derzeit gibt es ca. 10% ökologisch bewirtschaftete Flächen. Wir fordern mind. 20% bis 2025. Außerdem muss der bayrische Staat als Vorbild vorangehen. Deshalb fordern wir, dass alle staatlichen Agrar- und Forstflächen umgestellt werden, auf eine ökologische Bewirtschaftung und nachhaltige Nutzung.  

5. Mehr Blühwiesen Mindestens 10% der Naturflächen müssen in Blühwiesen umgewandelt werden! Aber, es blüht doch alles im Sommer, oder? Ja, aber meistens blüht es nicht durchgehend und oft sind es nicht die benötigten Futterquellen. Bienen und andere Bestäuber sind aber auf Vielfalt und Durchgängigkeit angewiesen. Eine Rapsmonokultur und zu satte Wiesen, auf denen fast nur noch der Löwenzahn blüht, sind kein gedeckter Tisch. Durch zu frühes und häufiges Mähen entstehen für die Insekten immer wieder Hungerperioden. Zuerst verhungern die Insekten, dann die Vögel, weil ihre Hauptnahrung, die Insekten, schon tot sind.  

6. Weniger Pestizide Weg von Neonicotinoiden und weniger Bayer/Monsanto „Pflanzenschutz“! Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die chemische Landwirtschaft die Artenvielfalt ruiniert und gleichzeitig die Gesundheit der Bauern gefährdet. Das Totschlagargument, dass die Ernährungssicherheit mit Methoden von gestern gefährdet wird, ist eine Lüge. Permakultur, Ökolandbau, robuste Saaten und ein gesunder Boden bringen genügend Ertrag für uns. Wir produzieren aber gigantische Exportmengen und hier müssen wir uns entscheiden: Wollen wir deutsche Erzeugnisse in China und Afrika zu Dumping-Preisen verkaufen? Sind wir bereit aus Profitgründen und fehlgesteuerter Agrarpolitik, Artensterben, Bodendegradierung und nitrithaltigem Trinkwasser zu akzeptieren? Das muss sich ändern!   Den gesamten Gesetzestext mit Begründung findest Du hier.  

Um diese Ziele zu erreichen müssen wir innerhalb von 2 Wochen eine Million Menschen (in Zahlen: 1 Mio.) in die Rathäuser zur Abstimmung bringen. Das wird ein richtiger Kraftakt bei dem Du unterstützen kannst. Und nein, Du hast noch nicht unterschrieben. Das was du unterschrieben hast, waren meine Unterschriftenlisten, damit wir es überhaupt erst bis hierhin geschafft haben. Und allein ich habe fast 1% der benötigten Unterschriften gesammelt. Du siehst: Es kommt sehr wohl auf den einzelnen an.  

Geh also bitte zwischen dem 31.1. und dem 13.02.2019 zur Abstimmung und nimm Deine komplette Familie und Deine Freunde gleich mit. Danach könnt Ihr noch Mittagessen. Nehmt Euch einen Tag frei. Besser kann man seinen Urlaub nicht verbringen.

Hier könnt Ihr in München abstimmen. Briefwahl ist nicht möglich, aber Ihr könnt einen Abstimmungsschein beantragen und in einer anderen Gemeinde abstimmen oder kranke Menschen, die nicht selbst zur Abstimmung gehen können, vertreten. Volljährig müsst Ihr noch sein und vor allem Bayern. Letzteres empfiehlt sich aber unabhängig davon so oder so.   

Dann kannst Du Dir noch Informationsmaterial besorgen und Deine bayerische Heimatstadt, Deinen Arbeitsort, Arztpraxen und was Dir alles so einfällt mit hoher Reichweite zupflastern. Frag Deinen Arbeitgeber, ob er eine Infoveranstaltung machen will, organisiere selbst eine oder häng die Infos aus. Sei kreativ. Hol Dir Plakate und stell die auf. Das kostet nicht viel Zeit. Ich habe heute überall, wo ich anhalten musste, einfach schnell eines aufgestellt. Und so steht jetzt u.a. eines vor dem Insolvenzgericht gegen den Bankrott der Umwelt sozusagen. Und wenn Dir das Spaß macht und Du gerne den ganzen Tag in der ganzen Stadt Plakate aufstellen willst: Nimm Dir doch ’nen Tag Urlaub. Besser kann man seinen Urlaub gar nicht nutzen.   

Wer noch einen draufsetzen will und in seinem Aktionismus nicht zu bändigen ist, für den bietet sich die Möglichkeit “ Rathausheld“ zu werden. Dafür musst Du nur an einem der Tage für 2 Stunden (oder auch gern mehr – hab ich eigentlich das mit dem Urlaub schon mal erwähnt?) in der Nähe des Eintragungsortes ahnungslosen Passanten auflauern und diese in die Rathäuser zur Abstimmung lotsen. Also quasi Drückerkolonne für Karma und Weltenrettung. Wenn das mal nichts ist.   

Zu guter Letzt – aus Erfahrung antizipierte FAQ: Wenn ich jetzt nicht aus Bayern komme, kann ich also gar nix tun? Au contraire schmettere ich Dir da in einem mir fremden Idiom entgegen. Leite das weiter an Bayern aus Deinem Bekanntenkreis aber auch an solche, die Bayern kennen – also an alle. Schreib es ruhig um und lass weg, was Dir vom drumherum nicht passt. Teile die Links des Bündnisses in den sozialen Netzwerken und wenn Du so richtig in Stimmung bist:

Spende! Am Besten jetzt gleich. Das vergisst man sonst immer. So ein Volksbegehren ist sauteuer. Das läuft weitgehend ehrenamtlich, aber vieles muss auch bezahlt werden, Werbe- und Infomaterial beispielsweise, wodurch wir wieder mehr Menschen erreichen. Vielen Dank für Deine Unterstützung,  Jürgen

P.S.: Im Nachgang noch einen guten SZ-Artikel zum Ganzen gefunden: https://www.sueddeutsche.de/bayern/bienen-volksbegehren-unterschriften-1.4271316

Menschen zur Unterschrift ins Rathaus lotsen:
Jetzt als Rathauslotse* registrieren und 2h mithelfen!

Nachbarn Infos zum Volksbegehren einwerfen?
Jetzt Plakate und Flyer bestellen und in Briefkästen einwerfen!




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Lebens-Erwartung in Täuschland?

31. Januar bis 13. Februar 2019 können wir in Bayern für die Bienen abstimmen, bin gespannt, ob 1 Million in die bayrischen Rathäuser geht, denn was haben wir sonst an Zukunft?

Kann es sein, dass wir in unserem seltsamen Luxus- und Billig-Lohn-Land die Zukunft verspielen, indem wir den Banken, Betrügern und Super-Reichen alles durchgehen lassen?

Ich weiß ja nicht, wo her die folgende Behauptung kommt, aber ich weiß, dass Menschen am Rand und in der Einsamkeit am schnellsten die Lust am Leben verlieren …

Warum haben die Deutschen die geringste Lebenserwartung in Europa?

Katharina Rosch

Katharina Rosch, Marketing und Kommunikation, Buchautorin

Das klingt in der Frage ziemlich dramatisch. Durchschnittlich sinkt die Lebenserwartung nicht nur in Deutschland bereits wieder seit Jahren. Was dem zugrunde liegt, wird viel gemutmaßt. Und es werden immer wieder irgendwelche Dinge aus der Tasche gezogen, die es sein müssten.

Ich kenne meine persönliche Lebenserwartung nicht, habe aber gute Chancen sehr alt zu werden. Ich bin Mitte 50 und nehme überhaupt keine Medikamente ein. Ich habe einen völlig normalen Blutdruck, bin schlank, treibe Sport, ernähre mich bewusst, rauche nicht, trinke wenig Alkohol, habe ein Haustier, tolle Kinder, eine liebevolle Partnerschaft… Viel wichtiger aber als alt zu werden ist es, gut zu leben. Wenn ich gut lebe und 70 Jahre alt werde, habe ich persönlich mehr davon als 90 Jahre alt zu werden und vor mich dahin zu siechen.

Was werden wir tun, um uns besser zu organisieren?

Die Revolution im Radio diskutieren: www.lora924.de Mi 9.1. ab 21h

Was sagt dir die Revolution damals,

wie kam der Faschismus in München auf die Beine?

Eine Radiosendung, wie sie von Bert Brecht erträumt war:

Anrufen während der Sendung und mitreden: 089 – 489 523 05

Monatliche Erinnerungs-und Programm-Mail bestellen bei fritz @ fairmuenchen.de … und danach begleitet euch bis 24h www.lunaland.org mit aktuellem zur Musik in den besten münchner Läden …

www.revolutionszeitung.de

Revolution und was sich weiter ereignet …

Die Obdachlosen-Demonstration auf der Theresienwiese zieht zu den Regierungsgebäuden, im Chaos lässt jemand auf die Arbeitslosen schießen, es gibt die ersten drei Toten …

Die Quellen sind reichlich geworden, die Bücher auch, und das direkte Mit-erleben in der Revolutionszeitung oder mit der Whats-App oder im Internet die Nachrichten im BR von Kurt Eisner.

www.br.de/extra/webspecials/kurt-eisner-revolution-bayern-whatsapp-100.html

oder auch dort im Internet zu lesen: Die Nachrichten im BR von Kurt Eisner.

Die Nachrichten in den Rundbriefen des Plenum R waren grade weniger geworden, sie sind zu abonnieren über mailto: plenum_r-subscribe@lists.riseup.net

Viele frühere Themen und Veranstaltungen sind auf www.raete-muenchen.de und auf den Seiten des www.Plenum-R.org dokumentiert, das hellblaue Büchlein 1918 | 2018 „Was ist Demokratie?“ als Gesamt-Programm des Kulturreferat der LHM gibt es in der Stadtinformation und an guten Informationsstellen.

revolutionswerkstatt2018

Frauen in der Revolution und der Kampf um das Frauenwahlrecht:

15./16.01.2019 Frauen in der Revolution / Szenische Lesung / Teamtheater Salon: Achtung Änderung: Beginn 20 Uhr www.wilpf.de

24.01.2019 «Hysterische Furien und schnatternde Gänse». Die ersten Frauen im bairischen Parlament / Lesung und Gespräch / Sendlinger Kulturschmiede bit.ly/2OtKhY1

Eine Film-Veranstaltung am Do, 31.01.19, 19:00 Uhr im KiM-Kino im Einstein zu Anita Augspurg

Die Kämpfe um die Fortdauer und Richtung der Revolution werden nun blutig: Nicht nur in Berlin, wo es in den nächsten Tagen gegen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg geht …

Auf den oberen Ebenen begann der verrat schon im November: Die Gewerkschaften feierten schon im Herbst „100 Jahre Sozialpartnerschaft“, was zuerst geheissen hatte: Wir sichern als Gewerkschaften unsere Arbeitsplätze, indem wir gegen Arbeiterräte und Enteignungen stimmen: Das Stinnes-Legien-Abkommen.

https://stadtgeschichte-muenchen.de

münchner zeitensprünge
http://www.hartbrunner.de
Dienstag 7. Januar 1919
Das Vorläufige Staatsgrundgesetz für Bayern veröffentlicht München – Freistaat Bayern * Das Vorläufige Staatsgrundgesetz für den Freistaat Bayern vom 4. Januar wird veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine oktroyierte [= aufgezwungene] Verfassung, die die elementaren Grundsätze der künftigen bayerischen Verfassung verbindlich festlegt.
Arbeitslosen-Demonstration auf der Theresienwiese München-Theresienwiese * In der ersten Januarwoche ist die Zahl der Arbeitslosen dramatisch – auf 40.000 – angestiegen. Auf der Theresienwiese beginnt um 15 Uhr eine Arbeitslosen-Demonstration mit rund 4.000 Teilnehmern.
3 Tote und 8 Verletzte nach einer Arbeitslosen-Demonstration München-Kreuzviertel * Gegen 15:30 Uhr bewegt sich der Demonstrationszug zum Ministerium für Soziale Fürsorge am Promenadeplatz, wo eine Delegation Minister Hans Unterleitner ihre Forderung nach Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung vorträgt. Als gegen 17 Uhr noch immer keine Zusagen vorliegen, überrennt die Menge die Wache und stürmt das Gebäude. Nun kann aber – trotz verschiedener Zusagen – die tobende Menge nicht mehr beruhigt werden. Um 18 Uhr rückt die Militärische Sicherheitswache und die Republikanische Schutztruppe mit scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. Drei Tote und acht Schwerverletzte bleiben zurück.
Die Republikanische Schutztruppe zerstreut die Demonstration München * Am Abend kommt es in der Innenstadt immer wieder zu Menschenansammlungen. Um 22 Uhr will die Menge in die Residenz eindringen, wo sie Eisner versteckt glaubt. Doch der bayerische Ministerpräsident hält sich an diesem Tag in Weiden auf und bekommt die Vorgänge überhaupt nicht mit. Die Republikanische Schutztruppe kann die Demonstration zerstreuen. Gegen 23:30 Uhr verlangt eine rund 200 Mann starke Gruppe vor dem Polizeipräsidium die Freilassung verhafteter Soldaten und Matrosen. Die Menschenansammlung kann zum Abzug bewegt werden.
Der Januaraufstand zeigt seine Macht Berlin * Dem Aufruf des Revolutionsausschusses folgen etwa 500.000 Menschen. Die Menschenmenge zieht in die Innenstadt und versammelt sich auf einem der Berliner Plätze.
Die Verhandlungen mit der Regierung werden vertagt Berlin * Am Nachmittag sind die Verhandlungen zwischen dem Revolutionsausschuss und Reichskanzler Friedrich Ebert sowie dem Rat der Volksbeauftragten kurz vorm Scheitern. Man vertagt sich auf den nächsten Tag.
Gustav Noske erhält den Oberbefehl über die Truppen in und um Berlin Berlin * Der Volksbeauftragte für Heer und Marine, Gustav Noske [MSPD], erhält von Reichskanzler Friedrich Ebert den Oberbefehl über die Truppen in und um Berlin. Es ergehen Aufrufe zur Aufstellung weiterer Freikorps in Berlin. Außerdem befiehlt Noske die telefonische Überwachung aller Mitglieder des Revolutionsausschusses, um sie später festzunehmen. Dazu werden 50 ausgesuchte Offiziere in allen Berliner Postämtern eingesetzt.

Sicherer Hafen München?

Wohl eher nicht, die Stadt der reichen Protze.

Immer mehr Leute mit zu viel Geld aus den Taschen der Eltern überschwemmen die Stadt und zahlen jede geforderte Miete. Die Erinnerung an die Menschenrechte aus Kirchen, Verbänden und Kammern werden im streitigen Alltagsgeschäft der Parteien nicht wirklich ernst genommen.

www.openpetition.de/petition/online/
eine-stadt-fuer-alle-macht-muenchen-zum-sicheren-hafen

Am 6.1. macht die CSU das traditionelle Dreikönigstreffen. Diesmal steht die Seebrücke gegenüber. Sonntag, 10.00 Uhr Fussgängerzone München, am Richard-Strauss-Brunnen.

Wir fordern die Stadträtinnen und Stadträte, sowie Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter, Bürgermeister Manuel Pretzl und Bürgermeisterin Christine Strobl dazu auf, die Stadt München zum Sicheren Hafen für Gerettete aus dem Mittelmeer zu erklären. Dies bedeutet:

  • sich mit Geflüchteten und den SeenotretterInnen solidarisch zu erklären;

  • sich aktiv gegen die Kriminalisierung der SeenotretterInnen einzusetzen und die Seenotrettung zu unterstützen;

  • einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schreiben, ähnlich dem der OberbürgermeisterInnen Bonns, Kölns und Düsseldorfs, und sich für die Wiederaufnahme der Seenotrettung einzusetzen;

  • mehr Menschen aufzunehmen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen;

  • sich gemeinsam mit den anderen Städten aktiv für Sichere Häfen in Europa einzusetzen;

  • eine VorreiterInnenrolle in Bayern einzunehmen und sich mit anderen Sicheren Häfen aktiv auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene für Seenotrettung einzusetzen;

  • die Öffentlichmachung aller Handlungen, die unternommen werden, um München zu einem Sicheren Hafen zu machen;

  • Ankommen gewährleisten: Grundbedürfnisse sichern – Unterkunft, Ernährung, medizinische Versorgung.

(2) Wir fordern die Stadträtinnen und Stadträte, sowie OB Dieter Reiter, Bürgermeister Manuel Pretzl und Bürgermeisterin Christine Strobl dazu auf, sich aktiv einzusetzen, dass die im Juli und August 2018 im Mittelmeer geretteten Geflüchteten weiter nach Deutschland reisen dürfen. Derzeit befinden sich die 115 Menschen noch auf Sizilien und Malta. Die Bundesregierung sicherte im Sommer zu, die Geretteten aufzunehmen. Dies ist bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht geschehen. Aus diesem Grund rufen wir Sie auf, ihre Position als Vertreterinnen und Vertreter der drittgrößten Stadt Deutschlands zu nutzen, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Menschen endlich nach Deutschland kommen dürfen und sie ihr völkerrechtlich verbrieftes Recht auf die Stellung eines Asylantrags wahrnehmen können.

(3) Wir fordern die Stadträtinnen und Stadträte, sowie OB Dieter Reiter, Bürgermeister Manuel Pretzl und Bürgermeisterin Christine Strobl dazu auf, ein festes Mindestkontingent für die Aufnahme aus Seenot geretteter Geflüchteter zu schaffen und nachhaltige Strukturen und Institutionen zu etablieren, hin zu einer solidarischen Stadt der Teilhabe und des gemeinsamen Miteinanders aller hier lebender Menschen.

(4) Wir fordern die Stadträtinnen und Stadträte, sowie OB Dieter Reiter, Bürgermeister Manuel Pretzl und Bürgermeisterin Christine Strobl dazu auf, sich aktiv für die Aufnahme Geflüchteter in Deutschland und Europa einzusetzen und nicht weiterhin passiv abzuwarten und die Verantwortung an übergeordnete Ebenen abzugeben. In Zeiten, in denen die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte angegriffen wird, sind Aktivität und nicht Passivität gefragt, um unser aller humanitären und solidarischen Grundwerte zu wahren.

(5) Wir fordern die Stadträtinnen und Stadträte, sowie OB Reiter, Bürgermeister Manuel Pretzl und Bürgermeisterin Christine Strobl dazu auf, sich dem Konzept der Solidarity Cities anzuschließen und einen Prozess zu dessen Umsetzung auf den Weg zu bringen. Denn wir möchten eine Landeshauptstadt München, in der sich alle Menschen frei und ohne Angst bewegen können, in der kein Mensch nach einer Aufenthaltserlaubnis gefragt wird, in der kein Mensch abgeschoben wird, in der kein Mensch illegal ist.

Begründung

Mit Sorge beobachtet die Seebrücke München die derzeitige Situation im und um das Mittelmeer. Krieg und ähnlich bedrückende Lebensumstände, sowie Angst vor Verfolgung und Missbrauch zwingen Menschen zur Flucht.

In Ermangelung legaler Einreisemöglichkeiten (z.B. über nationales Asylrecht oder internationale Resettlement-Programme) und sicherer Fluchtwege sind Geflüchtete gezwungen, auf die lebensgefährliche Überquerung des Mittelmeers nach oft jahrelangen Strapazen als ‘letzte Option’ auszuweichen.

Laut UNHCR sind allein im Juni und Juli dieses Jahres 851 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer gestorben, seit Beginn 2018 sind über 2060 Menschen dort ertrunken.

Diese hohe Todeszahl – wobei die Dunkelziffer noch viel höher angesetzt werden muss – steht in direktem Zusammenhang mit Europas Abschottungspolitik: mit den Bemühungen, die Südgrenzen immer weiter zu militarisieren und bis in den afrikanischen Kontinent hinein zu verschieben; mit der Absicht, möglichst viele Rückführungsabkommen mit vermeintlich ‘sicheren’ Staaten zu schließen (z.B. Maghreb Staaten).

Und nicht zuletzt mit der staatlich inszenierten Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung, die dem politisch gewollten Sterben auf dem Mittelmeer entgegenwirkt.

Angesichts dieser akut lebensbedrohlichen Lage an den Eingangstoren Europas rufen wir zur Solidarität mit allen Menschen auf der Flucht auf.

Da dieser Notstand durch die menschenunwürdige Politik der europäischen Regierenden stark verschlimmert, wenn nicht sogar herbeigeführt wurde, liegt es nun an uns Bürger*innen, sich unerschrocken für die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Humanität einzusetzen.

Dabei können Städte wie München eine tragende Rolle in der praktischen Umsetzung des Solidaritätsprinzips spielen und sich als klares Gegengewicht zur Abschottungspolitik der EU, der Bundesregierung und der Landesregierung Bayerns positionieren.

München ist nicht nur eine der größten Städte Deutschlands, unser ‘großes Dorf’ ist auch wohlhabend und verfügt über einen starken Arbeitsmarkt. Noch dazu engagieren sich hier vor Ort bereits viele Anwohner*innen, obgleich Alteingesessene oder ‘Zugereiste’, in Bürgerinitiativen, die sich um ein respektvolles Miteinander, sowie sozial-nachhaltige Strukturen bemühen. Damit verfügt die bayerische Landeshauptstadt über wesentliche Voraussetzungen, um das Konzept einer solidarischen Stadt für alle umsetzen zu können.

München ist für alle da!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Seebrücke München aus München

Wohnungslos im Radio

Mi 21h in der Gegensprechanlage: Wohnungslosigkeit, taktische Medien und die Frage von Ansatzpunkten … www.igel-muc.de ist die Interessengemeinschaft der Erwerbslosen München

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06. Dezember 2018
quer mit Christoph Suess Beitrag ‚Wir Wollen Wohnen‘ –

Stadt raeumt Obdachlosenlager – unter Muenchens Isarbruecken https://igel-muc.de/video/20181206-WWW-Brucken-BR-quer.mp4

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13. Dezember 2018

Drei Minuten quer feiern:
‚Es verschwindet nicht‘ [Rudolf Stummvoll]

‚The Revolution Will Not Be Televised‘ [Gil Scott Heron]
https://igel-muc.de/video/20181213-brucken2018-Es_verschwindet_nicht.mp4

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1. Gill Scott Heron: ‚The revolution will not be televised:‘
Format: mp4 [Video h.264 + Audio aac]
https://dherzog.home.xs4all.nl/video/brucken2018-Es_verschwindet_nicht.mp4

2. Zupfgeigenhansel: Arbetlose Marsch
Format: mp4 [Video h.264 + Audio aac]
http://dah.igel-muc.de/audio/music/Zupfgeigenhansel/Zupfgeigenhansel-Arbetlose_Marsch.mp4

3. Gill Scot Heron: The Bottle
Format: mp4 [Video h.264 + Audio aac]
http://dah.igel-muc.de/video/musik/Gil_Scott_Heron/Gil_Scott_Heron-The_Bottle-1974.mp4

Hartbrunners Münchner Zeitsprünge

Das RevolutionsChristkindl stammt dankenswerter Weise von der Website der Chronik vor 100 Jahren:

www.revolutionszeitung.de

Verbündete

Wie ich mich dafür entschied, festzuhalten

„Haben Sie Freunde?“ Ich: „Ja.“ Er darauf: „Eher so Hobby-Freunde oder so richtige?“ Seitdem geht mir diese Unterscheidung nicht mehr aus dem Kopf. Ich fand sie sehr präzise. Mit Hobby-Freund*innen bin ich nämlich verbunden, weil wir ein Hobby teilen und wenn ich aber das Hobby wechsle, wechseln in der Regel auch die Freundschaften. Sie sind ersetzbar. „Richtige“ Freundschaften gehen darüber hinaus.

Ich wünsche mir, ich hätte damals antworten können: „Ich habe Verbündete.“ Ich benutze den Begriff Verbündete als einen politisierten Freundschaftsbegriff.

Es ist ein Begriff, der sich bewusst der Einordnung in „wichtigere Liebesbeziehungen“ und „weniger wichtige platonische Freundschaftsbeziehungen“ versperrt. Verbündete, das ist ein kämpferischer Begriff.

Verbündete sind so etwas wie Mitstreiter*innen. Anders als bei Genoss*innen, bei denen eine Partei unsere Gemeinsamkeit ist, unterstützen wir einander als Verbündete mit unseren persönlichen Anliegen, die sich auch unterscheiden können.

Es geht um die Annahme, sich wohlwollend zu begegnen und eine gemeinsame Vision zu teilen. In den heutigen kapitalistischen, neoliberalen Verhältnissen erscheint uns das Leben oftmals als Einzelkampf. Ich glaube, wir brauchen in diesen Verhältnissen Verbündete, um ein widerständiges Leben zu führen.

Nur gemeinsam können wir unserem Tun und Handeln Sinn geben, insbesondere wenn es aus der Norm fällt und wir eigene Maßstäbe entwickeln wollen.

Zum Beispiel wenn wir unseren Wert nicht an unserem beruflichem Erfolg messen oder nicht das heterosexuelle Liebes- oder Familienideal leben, wenn wir daran glauben, dass eine andere Welt möglich ist.

Auch jede größere Gruppe lebt von den einzelnen Beziehungen. Ich glaube, dass wir unsere kollektive Handlungsfähigkeit erweitern können, wenn wir unsere nahen Beziehungen wertschätzen und uns als Verbündete verstehen.

Arbeit oder Liebe?

Fürsorge- und Haushaltstätigkeiten als Arbeit zu verstehen ist strategisch und analytisch sinnvoll, um sich gegen Ausbeutung zu wehren. Dennoch bestehen Unterschiede zu klassischen Arbeitsverhältnissen, wo Arbeitnehmer*innen sich gegen ihre Arbeitgeber*innen zusammen schließen können, zum Beispiel in einer Gewerkschaft.

Putzen, Kinder betreuen, kochen – diese vormals privaten Tätigkeiten werden immer mehr abgegeben, häufig an Frauen aus ärmeren Ländern: Wenn ich es mir leisten kann, bezahle ich andere, damit sie diese Tätigkeiten für mich tun.

Wenn ich zum Beispiel gar keine Zeit mit meinem Kind verbringe, wird unsere Beziehung dementsprechend sein. Wenn ich meine Wohnung noch nie selbst geputzt habe, wie sehr fühle ich mich dann zu Hause?

Wenn wir über unsere Beziehungen als Arbeit sprechen, werten wir sie in gewissem Sinne auch als lästig ab. Wer muss Zeit mit dem Kind verbringen? Wer muss die Schwester ansprechen, wenn sie schräg drauf wirkt? Wer das Abendessen kochen, wer mit dem Opa spazieren gehen?

Diese Diskussionen sind notwendig, doch was dabei möglicherweise aus dem Blick gerät, sind die qualitativ unterschiedlichen Beziehungen, die aus diesen Tätigkeiten entstehen und die nur durch zwischenmenschliche Interaktion lebendig bleiben.

Aus jeder Beziehung entsteht etwas Neues, etwas Unvorhergesehenes. Jede Beziehung heißt, eine Welt zu bauen. Eine Welt, die gerade erst entsteht. Ich glaube an das antikapitalistische Potenzial von Beziehungen.

Unendliche Fernen überbrücken

In einem Brief von 1901 tröstet der in Prag (damals Österreich-Ungarn) geborene Dichter Rainer Maria Rilke einen Freund, der im Begriff war, sich zu trennen. Rilke beschreibt ihm, dass der größte Vertrauensbeweis zweier Menschen ist, füreinander Wächter*in der Einsamkeit der anderen Person zu sein.

Er schreibt:

„Ein Miteinander zweier Menschen ist eine Unmöglichkeit und, wo es doch vorhanden scheint, eine Beschränkung, eine gegenseitige Übereinkunft, welchen einen Teil oder beide Teile ihrer vollsten Freiheit und Entwicklung beraubt.

Aber, das Bewußtsein vorausgesetzt, daß auch zwischen den nächsten Menschen unendliche Fernen bestehen bleiben, kann ihnen ein wundervolles Nebeneinanderwohnen erwachsen, wenn es ihnen gelingt, die Weite zwischen sich zu lieben, die ihnen die Möglichkeit gibt, einander immer in ganzer Gestalt und vor einem großen Himmel zu sehen!

Deshalb muß also auch dieses als Maßstab gelten bei Verwerfung oder Wahl: ob man an der Einsamkeit eines Menschen Wache halten mag, und ob man geneigt ist, diesen selben Menschen an die Tore der eigenen Tiefe zu stellen, von der er nur erfährt durch das, was, festlich gekleidet, heraustritt aus dem großen Dunkel.“

Rilkes Worte, die er auf die Ehe bezog, lassen sich auch auf Beziehungen mit Verbündeten übertragen. Das bedeutet, dass wir einander Raum geben, auch wenn der andere Mensch für eine*n nicht immer direkt verständlich ist – und es heißt, davon auszugehen, dass wir gute Gründe für unser jeweiliges Tun haben.

Verbündete werden zu Verbündeten, indem sie einander Raum geben und sich gerade deswegen nah kommen. Das bedeutet nicht, dass wir Konflikte vermeiden. Wir hinterfragen uns vielmehr ständig, indem wir uns vorstellen wollen, was die andere Person antreibt.

Machtbewusstsein

Wir müssen nicht gleich sein, um Verbündete sein zu können – das wäre ein unmögliches Unterfangen. Viel wichtiger ist es, dass wir gemeinsame Wünsche und Forderungen für diese Welt und unsere Gesellschaft jetzt teilen.

Um uns einander irgendwie begreifbar zu machen, übersetzen wir diese aus sehr unterschiedlichen Positionen – auch unterschiedlichen Machtpositionen – heraus und entwickeln aus der Übersetzung gemeinsame Visionen.

Die US-amerikanische Aktivistin und Dichterin Audre Lorde betonte immer wieder, dass es nicht unsere Unterschiede sind, die uns trennen, sondern unsere Unfähigkeit, diese Unterschiede anzuerkennen und wertzuschätzen. In einer Rede von 1981 über den Nutzen der Wut, eine Wut, die ihre Reaktion auf Rassismus ist, sagt sie:

„Unsere Stärke besteht jedoch darin, daß wir Unterschiede zwischen uns Frauen als fruchtbar begreifen und aufrecht zu den Einstellungen stehen, die unser unschuldiges Erbe sind, aber die nun von uns berichtigt werden müssen.

Wenn wir durch unseren Ärger aufeinander zu wirklicher Einsicht in unsere Unterschiede gelangen, kann sich unser Bewußtsein dieser Unterschiede in Machtbewußtsein verwandeln. Denn Ärger unter Gleichgesinnten bewirkt Veränderung, nicht Zerstörung.“

Verbündete bleiben Verbündete, halten aneinander fest, gerade indem sie füreinander das Unvorhergesehene sein können, gerade indem sie zulassen, sich durch die Beziehung zu verändern.

Sinn geben

Wie können Verbündete uns das Gefühl geben, dass das, was wir tun, sinnvoll ist? Wir tun das, indem wir uns gegenseitig in unserem Wollen unterstützen. Wir ermutigen uns gegenseitig, jeweils für uns einzustehen und erlauben uns das gegenseitig immer wieder. Wir bestärken uns, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie nicht den Erwartungen von Arbeitgeber*innen, Familie oder anderen entsprechen.

Wir brauchen Verbündete, um ein Verständnis der Welt zu entwickeln und uns selbst darin zu positionieren. Wir brauchen einander, um uns in Relation zu setzen.

Viele politische Kämpfe werden momentan über Identität geführt, doch auch Identität funktioniert nicht, ohne sich in Beziehung zu setzen, ohne Verhältnisse zu sehen.

Es kommt immer darauf an, wovon ich mich abgrenze und was das gemeinsame Kriterium ist, um zu wissen, wer ich bin. Als Verbündete geben wir uns hierbei eine notwendige Orientierung.

Tatsächliche Fürsorge

Wir leben in einer Welt einer sich ausbreitenden Marktlogik. Innerhalb der Marktlogik gilt alles, was wir tun, als „Investition, die sich lohnen muss“. Unsere Beziehungen scheinen austauschbare Waren, wie auch wir nur eine Ware sind, die wir selbst vermarkten, und der Markt bestimmt den Wert.

Innerhalb der Marktlogik werden systemische Faktoren, durch die wir extrem unterschiedliche Voraussetzungen haben und auf die wir nicht als Einzelne einwirken können, negiert und stattdessen von „Eigenverantwortung“ gesprochen. Das heißt, wenn du in diesem System nicht erfolgreich bist, bist du selbst Schuld.

Als Verbündete können wir tatsächliche Fürsorge statt Marktlogik leben. Das neoliberale Diktat der Eigenverantwortung wird nur solange gepredigt, wie es sich in Marktlogik umsetzt, also solange das kapitalistische System davon profitiert.

Als Verbündete geben wir uns Erlaubnis für Eigenverantwortung, die sich nicht in die Marktlogik einpasst. Denn wir haben eigene Kriterien.

Ich tröste mich gerne damit, dass es überall, in allen Kontexten, mögliche Verbündete gibt. Bei meinen Hobbys fällt es mir weniger schwer, das zu sehen, als in Kontexten, die ich als einschüchternd empfinde, wie zum Beispiel in meinem Berufsleben.

Ich habe nicht viele Verbündete, aber die Wenigen, die ich so bezeichne, sind die Menschen, die für mich nicht ersetzbar sind und bei denen ich trotzdem keine Angst vor den unendlichen Weiten zwischen uns habe.

Die Ursprungs-Website hört leider auf …

Dies ist ein gekürzter Beitrag aus kleinergast, in der wir alle Gastartikel veröffentlichen. Dieses Mal kommt er von Johanna Montanari, 1987 in Berlin-Kreuzberg geboren, sie ist freie Autorin und Doktorandin. 2017 hat sie gemeinsam mit Sina Holst den Essayband „Wege zum Nein“ herausgegeben, in dem antirassistische und queerfeministische Texte die Reform des Sexualstrafrechts 2016, sexuelle Gewalt und Visionen von Sexualität und Konsens verhandeln.

http://kleinerdrei.org/2018/12/verbuendete-wie-ich-mich-dafuer-entschied-festzuhalten/

Wohnungslos in Bayern

Die Politik – die Sozialverwaltung – die Bundespolitik des Neo-Liberalismus – unsere ReGierung?

Bereicherung an Wohnungen wird der brennendste Punkt – bisher für nur 1% der Bevölkerung?

nein, die Angst reicht in alle Schichten: Vor Mieterhöhung, Schulden, Wohnungsverlust …

In der BR- Mediathek: https://www.br.de/mediathek/video/dokthema-arm-gegen-aermer-obdachlose-in-bayern-av:5bd99e1ede81a400187747aa

  • BR Fernsehen
  • 19.12.2018, 22:00 Uhr
  • 44 Min.
  • Online bis 19.12.2019 Warum?
    Die Obdach- und Wohnungslosigkeit nimmt zu. Zu den Menschen mit Brüchen in der Biografie und den Arbeitsmigranten aus Osteuropa kommen neuerdings auch deutsche Wohnungslose, die schlichtweg ihre Miete nicht mehr bezahlen können. In Wärmestuben oder an den Tafeln treffen diese Gruppen aufeinander. Das geht nicht immer reibungslos.

Jürgen ist Maschinenbauer und arbeitet tagsüber bei einer Leiharbeitsfirma. Nachts schläft er seit einigen Wochen in einer Münchner Notunterkunft. Eigentlich sollte man meinen, er dürfte keine Probleme haben, eine Wohnung zu finden, denn sein Einkommen liegt immerhin bei 1.700 Euro netto im Monat.

Doch kein Vermieter hat ihm, seit er aus dem Allgäu nach München gekommen ist, eine Zusage gegeben. Vermutlich, weil seine Beschäftigungssituation als Leiharbeiter zu unsicher ist. Seit Jahren warnen Sozialarbeiter, dass sie überfordert sind von der Unterbringung gestrandeter Menschen.

Die Gründe sind vielschichtig: Die EU-Freizügigkeit bringt nicht nur arbeitsfähige Steuerzahler aus Osteuropa, sondern auch Menschen, die mit großen Erwartungen kamen und sich hier nun kein Dach über dem Kopf leisten können.

Die Mietentwicklung und fehlende Sozialwohnungen verschärfen die Situation. Und die Flüchtlinge, die geduldet oder anerkannt werden, drängen auch auf den Mietmarkt. Inzwischen, so Sozialarbeiter und Armutsforscher, erreicht das Problem prekärer Lebens- und Wohnsituationen nicht nur Menschen am Rande der Gesellschaft.

Die Autorinnen Susanne Fiedler und Steffi Illinger nehmen im Film drei bayerische Städte genauer unter die Lupe und forschen nach den Ursachen für diesen Kampf von Arm gegen Ärmer. In München begleiten sie Streetworker, die sich um den Kälteschutz kümmern und Bewohner von illegalen Camps vom Umzug in Notunterkünfte überzeugen wollen.

Nürnberg gehört zu den zwölf in Deutschland am meisten von Wohnungslosigkeit betroffenen Städten. Die Wärmestuben sind überfüllt und erstmals müssen Sicherheitskräfte unter den verschiedenen sozialen Gruppen vermitteln.

Auch in kleineren Städten wie Rosenheim geraten die Sozialarbeiter verstärkt unter Druck. Streetworkerin Katja Merker ist verzweifelt: Sie hat keine Möglichkeit mehr, in der Wohnungsnothilfe der Diakonie weitere Menschen unterzubringen.

———– Und die Reaktion? Wählen – organisieren – wie? – Ein heiße Diskussion: Was hieße für uns „aufstehen“, was sind die „gelben Westen“ in München?