Volksbegehren für Zukunft & Bienen in Bayern 31.1.-13.2.19

In Bayern wurde von etlichen Leuten ein Volksbegehren auf den Weg gebracht, das nun in der Zeit von 31. Jan bis 13.02.19 von 1 Mio BürgerInnen in Bayern in den Rathäusern unterschrieben werden muss:

Jürgen schreibt: Nach dem Konzept der Planetaren Grenzen gibt es Grenzen, die bereits viel, viel weiter überschritten sind, als die bekannteste – der Klimawandel. Die Spitzenplätze teilen sich gestörte Nährstoffkreisläufe und in Siegerposition der Verlust der Biodiversität aka Artensterben biblischen Ausmaßes. 



Königsplatz

Hier eine schöne Kurzzusammenfassung zu den Planetaren Grenzen mit einem schönen Bildchen:  https://de.wikipedia.org/wiki/Planetare_Grenzen   Rund um den Planeten verzeichnen wir ein massives Einbrechen in Beständen unterschiedlichster Populationen.

Sehr bekannt wurde im vergangenen Jahr die Studie aus Krefeld. Die Zahl der Fluginsekten ist danach in Teilen Deutschlands erheblich zurückgegangen.

In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse um mehr als 75 Prozent ab. Wir erleben derzeit wohl das sechste große Massenaussterben, das größte seit dem Aussterben der Dinosaurier. Sag nicht ich, sagt der Deutschland-WWF-Chef. Und es vollzieht sich mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit. 

Und Schuld sind nicht Kometen oder Vulkanausbrüche – sondern wir. Deshalb wird auch vermehrt vom Anthropozän gesprochen, also einem Erdzeitalter, in dem sich der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde aufgeschwungen hat.

Jetzt kommt’s noch dicker: Das Ganze ist bei uns noch nicht maßgeblich vom Klimawandel getrieben. Sag nicht ich, sagt Josef Settele, Leitautor beim IPBES. Das ist sowas, wie es der IPCC für den Klimawandel ist, gerne übersetzt mit Weltbiodiversitätsrat. Hier zwei erhellende Interviews auf dem resonator-podcast der Helmholtz-Gemeinschaft:   https://fyyd.de/episode/98887 und  https://fyyd.de/episode/98834   Anders ausgedrückt: Der Klimawandel kommt als große Keule noch hinterher und tut dies bereits in anderen Teilen der Welt. Was aber führt dann bei uns zum Artensterben. Das ist ein ganzer Strauß an Ursachen, alle zurückzuführen auf menschliche Einflüsse und ein Großteil auf die Art, wie wir unsere Nahrungsmittel erzeugen und welche das sind.

Einsatz von Pestiziden führt dazu, dass schon mal alles dahingerafft wird, was der Mensch nicht zu brauchen meint. Und das passiert sehr effektiv, weil Gift giftig ist und meist mehr, als wir uns derzeit eingestehen. Die Überversorgung von Nährstoffen führt dazu, dass es manche Pflanzen, die auf magere Böden angewiesen sind, nicht mehr gibt und mit ihnen die darauf spezialisierten Insekten. Ackerflächen werden bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt. Da ist teilweise Monokultur soweit das Auge reicht.

Ohne ein Nährstoffangebot für Insekten oder nur eines in einem engen Zeitfenster. Weniger Insekten – weniger Vögel. Es kommen noch weitere Faktoren hinzu wie Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung etc. Einige Faktoren sind selbst planetare Grenzen und die bedingen und verstärken sich zu allem Überfluss auch noch gegenseitig. Auch hier gibt es, wie beim Klimawandel, Kippunkte, ab deren Erreichen wir das Geschehen nicht mehr beeinflussen können.   Hier ein Vortrag zum Thema:  https://www.youtube.com/watch?v=kOxBaG0GP8g

Was ist nun zu tun? Eine sehr große Chance etwas zum Guten zu wenden, bietet aktuell ein Volkbegehren in Bayern. Manche sprechen gar von einer Jahrhundertchance. Denn wenn das gelingt, ist wirklich viel gewonnen. Was das Volksbegehren ist, erfahrt Ihr hier oder hier. Vereinfacht gesagt: Hier dürft Ihr als Bürger mitentscheiden, was Gesetz werden soll. Steht so in der Bayerischen Verfassung. Da darf der eigentliche Souverän noch Souverän sein. Das ist also nicht nur irgendeine Online-Petition, wo man sein Hakerl macht. Nein, hier bist Du der Gesetzgeber. Die Forderungen des Volksbegehrens lauten:

mohnblumen-besuch zum Waffenstillstand

1. Biotopverbund schaffen 

Das Problem: Die einzelnen, lokalen Lebensräume (Biotope) sind nicht mehr verbunden. Menschliche Siedlungen, Straßen und leergeräumte Ackerlandschaften schlagen tödliche Schneisen, die für die meisten Arten unüberbrückbar sind. Inzucht ist die Folge, die Tiere werden anfällig für Krankheiten und sterben. Deshalb fordern wir: Schafft zusammenhängende Lebensräume, sog. Biotopverbünde.  

2. Nachhaltige Ausbildung Zu Unrecht wird derzeit die Schuld einseitig auf die Bauern geschoben. Die ganze Agrar-Förderungspolitik und auch die Ausbildung junger Landwirte ist seit Jahrzehnten falsch ausgerichtet. Statt das überlieferte bäuerliche Wissen über Zusammenhänge gelehrt zu bekommen, ist die Ausbildung auf Ertrag, Effizienz und „Smart Farming“ ausgerichtet. Die jungen Bauern lernen zwar alles über die chemische und mechanisierte Landwirtschaft, aber sie lernen wenig über die Folgen und Zusammenhänge und auch die Risiken für Mensch und Natur. Das muss geändert werden, sonst hat die Artenvielfalt keine Chance. Das fordert auch die Bundesregierung (BNE).  

3. Mehr Transparenz Wir wollen, dass die Bürger*innen Bayerns darüber informiert werden ob die Forderungen auch umgesetzt werden. Dafür ist der Landtag zuständig, nicht die Medien, die in der Regel Transparenz herstellen. Deshalb: Wir fordern, dass der Landtag jährliche Statusberichte über den Zustand der Arten und der Naturschönheit behandelt und veröffentlicht. So erfahren wir jedes Jahr, wie es um das ökologische Gleichgewicht bestellt ist. Nur so wird das neue Gesetz auch umgesetzt und angewendet.

4. Mehr Öko, mehr Bio Der Irrweg der export-orientierten Landwirtschaft führt zu einem dramatischen Artenrückgang; gleichzeitig müssen viele landwirtschaftliche Kleinbetriebe schließen. Die Folgen sind Agrarwüsten, gifthaltige Monokulturen und ein Verlust der Naturschönheit in unserer bayrischen Heimat. Der Artenschutz und die Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft sind eng miteinander gekoppelt. Beide Seiten – Natur und Bauern – müssen gewinnen. Allem voran müssen Landwirte fair bezahlt werden, damit sie sich überhaupt noch um die Natur kümmern können. Derzeit gibt es ca. 10% ökologisch bewirtschaftete Flächen. Wir fordern mind. 20% bis 2025. Außerdem muss der bayrische Staat als Vorbild vorangehen. Deshalb fordern wir, dass alle staatlichen Agrar- und Forstflächen umgestellt werden, auf eine ökologische Bewirtschaftung und nachhaltige Nutzung.  

5. Mehr Blühwiesen Mindestens 10% der Naturflächen müssen in Blühwiesen umgewandelt werden! Aber, es blüht doch alles im Sommer, oder? Ja, aber meistens blüht es nicht durchgehend und oft sind es nicht die benötigten Futterquellen. Bienen und andere Bestäuber sind aber auf Vielfalt und Durchgängigkeit angewiesen. Eine Rapsmonokultur und zu satte Wiesen, auf denen fast nur noch der Löwenzahn blüht, sind kein gedeckter Tisch. Durch zu frühes und häufiges Mähen entstehen für die Insekten immer wieder Hungerperioden. Zuerst verhungern die Insekten, dann die Vögel, weil ihre Hauptnahrung, die Insekten, schon tot sind.  

6. Weniger Pestizide Weg von Neonicotinoiden und weniger Bayer/Monsanto „Pflanzenschutz“! Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die chemische Landwirtschaft die Artenvielfalt ruiniert und gleichzeitig die Gesundheit der Bauern gefährdet. Das Totschlagargument, dass die Ernährungssicherheit mit Methoden von gestern gefährdet wird, ist eine Lüge. Permakultur, Ökolandbau, robuste Saaten und ein gesunder Boden bringen genügend Ertrag für uns. Wir produzieren aber gigantische Exportmengen und hier müssen wir uns entscheiden: Wollen wir deutsche Erzeugnisse in China und Afrika zu Dumping-Preisen verkaufen? Sind wir bereit aus Profitgründen und fehlgesteuerter Agrarpolitik, Artensterben, Bodendegradierung und nitrithaltigem Trinkwasser zu akzeptieren? Das muss sich ändern!   Den gesamten Gesetzestext mit Begründung findest Du hier.  

Um diese Ziele zu erreichen müssen wir innerhalb von 2 Wochen eine Million Menschen (in Zahlen: 1 Mio.) in die Rathäuser zur Abstimmung bringen. Das wird ein richtiger Kraftakt bei dem Du unterstützen kannst. Und nein, Du hast noch nicht unterschrieben. Das was du unterschrieben hast, waren meine Unterschriftenlisten, damit wir es überhaupt erst bis hierhin geschafft haben. Und allein ich habe fast 1% der benötigten Unterschriften gesammelt. Du siehst: Es kommt sehr wohl auf den einzelnen an.  

Geh also bitte zwischen dem 31.1. und dem 13.02.2019 zur Abstimmung und nimm Deine komplette Familie und Deine Freunde gleich mit. Danach könnt Ihr noch Mittagessen. Nehmt Euch einen Tag frei. Besser kann man seinen Urlaub nicht verbringen.

Hier könnt Ihr in München abstimmen. Briefwahl ist nicht möglich, aber Ihr könnt einen Abstimmungsschein beantragen und in einer anderen Gemeinde abstimmen oder kranke Menschen, die nicht selbst zur Abstimmung gehen können, vertreten. Volljährig müsst Ihr noch sein und vor allem Bayern. Letzteres empfiehlt sich aber unabhängig davon so oder so.   

Dann kannst Du Dir noch Informationsmaterial besorgen und Deine bayerische Heimatstadt, Deinen Arbeitsort, Arztpraxen und was Dir alles so einfällt mit hoher Reichweite zupflastern. Frag Deinen Arbeitgeber, ob er eine Infoveranstaltung machen will, organisiere selbst eine oder häng die Infos aus. Sei kreativ. Hol Dir Plakate und stell die auf. Das kostet nicht viel Zeit. Ich habe heute überall, wo ich anhalten musste, einfach schnell eines aufgestellt. Und so steht jetzt u.a. eines vor dem Insolvenzgericht gegen den Bankrott der Umwelt sozusagen. Und wenn Dir das Spaß macht und Du gerne den ganzen Tag in der ganzen Stadt Plakate aufstellen willst: Nimm Dir doch ’nen Tag Urlaub. Besser kann man seinen Urlaub gar nicht nutzen.   

Wer noch einen draufsetzen will und in seinem Aktionismus nicht zu bändigen ist, für den bietet sich die Möglichkeit “ Rathausheld“ zu werden. Dafür musst Du nur an einem der Tage für 2 Stunden (oder auch gern mehr – hab ich eigentlich das mit dem Urlaub schon mal erwähnt?) in der Nähe des Eintragungsortes ahnungslosen Passanten auflauern und diese in die Rathäuser zur Abstimmung lotsen. Also quasi Drückerkolonne für Karma und Weltenrettung. Wenn das mal nichts ist.   

Zu guter Letzt – aus Erfahrung antizipierte FAQ: Wenn ich jetzt nicht aus Bayern komme, kann ich also gar nix tun? Au contraire schmettere ich Dir da in einem mir fremden Idiom entgegen. Leite das weiter an Bayern aus Deinem Bekanntenkreis aber auch an solche, die Bayern kennen – also an alle. Schreib es ruhig um und lass weg, was Dir vom drumherum nicht passt. Teile die Links des Bündnisses in den sozialen Netzwerken und wenn Du so richtig in Stimmung bist:

Spende! Am Besten jetzt gleich. Das vergisst man sonst immer. So ein Volksbegehren ist sauteuer. Das läuft weitgehend ehrenamtlich, aber vieles muss auch bezahlt werden, Werbe- und Infomaterial beispielsweise, wodurch wir wieder mehr Menschen erreichen. Vielen Dank für Deine Unterstützung,  Jürgen

P.S.: Im Nachgang noch einen guten SZ-Artikel zum Ganzen gefunden: https://www.sueddeutsche.de/bayern/bienen-volksbegehren-unterschriften-1.4271316

Menschen zur Unterschrift ins Rathaus lotsen:
Jetzt als Rathauslotse* registrieren und 2h mithelfen!

Nachbarn Infos zum Volksbegehren einwerfen?
Jetzt Plakate und Flyer bestellen und in Briefkästen einwerfen!




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Veröffentlicht von

basisfinden

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